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Computerworld 15/2010
IT-Services

«Webservices sind heute schon Alltag»

02.11.2006 | 09:12 Uhr

Computerworld: Wie intelligent wird das Web der Zukunft sein? Wie intelligent -können vernetzte Computer überhaupt -werden?

Bernstein: Nun, das Web der Zukunft kann uns in verschiedener Hinsicht sicherlich intelligent erscheinen. Ob es dies tatsächlich ist, ist eine andere Frage, und die ist schon fast philosophischer Natur. Nehmen Sie die Fähigkeit von Computern, Schach zu spielen, als Analogie. Vor fünfzig Jahren hielt man einen Computer, welcher besser Schach spielt als ein Grossmeister, für intelligent. Heute wird dies oft eher als «Brute Force» bezeichnet. Das, was viele als intelligente Software bezeichnen, ist meiner Meinung nach nichts anderes als angewandte Statistik.

Computerworld: Wie steht es um die Standardisierung von Webservices? Gibt es möglicherweise sogar schon zu viele Standards, die eine Rolle spielen?

Bernstein: Eine sehr gute Frage. Für viele der für die Integration notwendigen Schnittstellen hat das W3C schon Standards verabschiedet oder ist in der Endphase solcher Diskussionen. Manch einem mögen dies zu viele Standards sein, und dies kann dann wiederum eine Hemmschwelle sein, um überhaupt in die Technik einzusteigen. Die praktische Verwendung der Standards wird, wie meist, von der Unterstützung der Softwaretools sowie deren Nützlichkeit abhängen. Ob diese gegeben sind, muss die Zeit zeigen.

Computerworld: Erfordern Webservices völlig neue Programmiermodelle und -techniken? Werden andere Fertigkeiten als korrektes Codieren wichtiger?

Bernstein: Darauf gibt es wohl keine eindeutige Antwort. Um gute Webservices implementieren zu können, brauchen wir weiterhin handwerklich gute Entwickler, welche es verstehen, soliden Code zu schreiben und zu testen. Auf der anderen Seite benötigen gerade Modelle wie Rest und SOALexikon häufig andere Softwarearchitekturansätze. Sich in diese Denkweise einzuarbeiten, könnte schon ein gewisses Umdenken erfordern.

Computerworld: Bietet die IT-Industrie heute genug geeignete Tools an, um die Entwickler zu unterstützen?

Bernstein: Viele Tools unterstützen das Entwickeln von Webservices ganz direkt, so dass es nicht nötig ist, alle notwendigen File-Formate bis ins letzte Detail zu kennen. So unterstützen die meisten Softwareentwicklungsumgebungen – EclipseLexikon oder Visual Studio etwa – das Generieren von Stubs für den Aufruf oder den entsprechenden Konfigurationsdateien für das zur-Verfügung-Stellen von Webservices. Die Frage ist mehr, wie es um die Unterstützung der Konzipierung dieser neuartigen Softwarearchitekturen geht. Da sehe ich eher Defizite.

Computerworld: Beeinflussen Webservices meinen Alltag heute schon in irgendeiner Form?

Bernstein: Auf jeden Fall. Wenn Sie via Internet einkaufen, dann wird die Abwicklung Ihrer Zahlung oft über Webservices geregelt. Wenn Sie eine Web-2.0-Applikation verwenden, dann werden im Hintergrund meist Webservices aufgerufen. Alle grossen Webfirmen wie zum Beispiel Amazon und Google bieten Webservice-Schnittstellen zu ihren Dienstleistungen an.

In einer IDC-Umfrage vom Dezember 2004 unter knapp tausend Entwicklern stellte sich heraus, dass 58 Prozent der Teilnehmer in Firmen arbeiten, welche Webservice-Technologien aktiv verwendeten. 14 Prozent hatten Pilotprojekte am Laufen, 12 Prozent steckten in einer Evaluationsphase. Ich bin mir sicher, heute wären diese Zahlen höher.

European Conference on Web Services

Eco WS 06: Die Eckdaten

Termin: Montag, 4. Dezember 2006: Tutorial/Workshop Day

Dienstag, 5. Dezember und Mittwoch, 6. Dezember: Konferenz mit Sessions, unterteilt in Business Track und Academic Track

Veranstaltungsort: Technopark Zürich

Kosten: Regulär 995 Fr., verschiedene Ermässigungen

Online-Info: www.ifi.unizh.ch/ecows06

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