Auf die Frage, warum sich Microsoft nicht auf die .NET-Variante beschränkt hat, gibt es aber noch eine zweite Antwort: Für viele Anwendungen wird die reichhaltige .NET-Funktionalität einfach nicht benötigt. Silverlight 1.0 beschränkt sich auf WPF (und damit Vektorgrafik und Animationen, allerdings ohne 3D) und JavaScript, mit dem Ziel, vor allem ein schnelles HD-Videostrea-ming im Rahmen eines in jeder Hinsicht frei konfigurierbaren Players anbieten zu können. Ein Bereich, in dem das Wachstums-potenzial noch längst nicht ausgelotet ist, und der zudem ein lukratives Geschäftsfeld darstellt. Gerade das Argument HD-Video ist entscheidend, denn es ist der einzige Bereich, in dem Flash nicht mithalten kann.
Silverlight 1.1
Silverlight 1.1 ist die für .NET-Entwickler massgebliche Version. Unumstrittenes Highlight ist natürlich das integrierte .NET Framework
samt einer CLR, die der Desktop-CLR entspricht. Da es aber noch eine Alpha-Version ist, fehlen vor allem in der Klassenbibliothek wichtige Control-Klassen sowie allgemeine Klassen, etwa für die Netzwerkfunktionalität. Der wichtigste Unterschied ist daher auch, dass die Elemente der Silverlight-Anwendungen inklusive des HTML per C#- oder VB-Code angesprochen werden (JavaScript steht ebenfalls zur Verfügung, wahlweise auch in kompilierter Form). Da sich das Silverlight-Framework am kommenden .NET-Framework 3.5 orientiert, steht von Anfang an das neue Abfrage-Framework LINQ für den Zugriff auf lokale Daten zur Verfügung. Ohnehin nähert sich die Programmierung von Web-Clients sehr stark der Entwicklung herkömmlicher Desktop-Applikationen an. Erste Schritte in diese Richtung hat der Microsoft-Mitarbeiter Nikhil Kothari mit seinem Projekt «Script#» unternommen, mit dem C#-Code in JavaScript umgewandelt wird, allerdings mit zahlreichen Restriktionen. Die .NET-Integration von Silverlight 1.1 geht einen Schritt weiter und verzahnt .NET und den Browser noch enger.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Silverlight 1.1 ist die mitgelieferte DLR (Dynamic Language Runtime), welche dynamische Skriptsprachen unterstützt – also zur Laufzeit interpretierten Code. Zur Verfügung steht nicht nur Jscript (Microsofts JavaScript-Dialekt, der aus rechtlichen Gründen das Wörtchen «Java» nicht erhalten darf), sondern auch IronPython und IronRuby, zwei .NET-Versionen der beiden populären dynamischen Skriptsprachen. Welches Gewicht diese Sprachen in Zukunft spielen werden ist allerdings fraglich, denn der Marktanteil von Python und Ruby
ist vergleichsweise gering.
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