Peter Monadjemi ist seit drei Jahren Chefredaktor beim dot.net-Magazin, Buchautor und Trainer und lebt in München.
Expression Design: Microsofts neues Website- und HTML-Seiten-Tool besticht durch Komfort und eine strenge Einhaltung der aktuellen HTML- und CSS-Standards.
Die neue Expression Suite ist mehr als nur eine neue Produktpalette von Microsoft oder der (vermeintliche) Versuch, Adobes Creative Suite mit Standardwerkzeugen wie Photoshop, Flash, DreamWeaver oder anderen etablierten Anwendungen Konkurrenz machen zu wollen. Die Expression Suite besitzt auch eine strategische Komponente. Zum einen soll sie das Werkzeug für Rich Internet Applications (RIAs) sein, die nicht nur aus Streaming
Video bestehen, sondern bei denen klassisches HTML, CSS, JavaScript und Vektorgrafiken eine genauso wichtige Rolle spielen. Zum anderen ist sie das Werkzeug, um ähnlich «farbenfrohe» Oberflächen zu erstellen, wie sie seit Jahren ein Markenzeichen von MacOS X sind und nicht unwesentlich zur Popularität der Apple-Plattform beigetragen haben. Diese Strategie ist auf Jahre angelegt. Daher darf derzeit der Umstand, dass das Zusammenspiel der einzelnen Anwendungen im Paket limitiert ist und XAML
als das Fundament künftiger RIA-Anwendungen nur durch Expression Design und Expression Blend unterstützt wird, noch nicht überbewertet werden. Ganz nebenbei ist die Expression Suite auch die erste Generation von .NET-Anwendungen aus Redmond für den Anwender, mit denen Microsoft Geld verdienen möchte.
Expression Design: Vektorgrafiken
Expression Design ist das neue Microsoft-Programm für Vektorgrafiken. Zwar sollen einige Bedienelemente vermutlich Photoshop-Anwendern ein wenig den Einstieg erleichtern. An die Funktionsvielfalt von Photoshop und Co reicht Expression Design dennoch nicht heran. Wie bei der Expression Suite allgemein geht es Microsoft auch mit Expression Design nicht darum, eine weitere Alternative in einem Markt zu platzieren, der mit etablierten Produkten wie Photoshop, Freehand, CorelDraw oder PaintShop Pro mehr als abgedeckt ist. Zumal jede dieser Anwendungen ihre treuen Anhänger besitzt, die nur schwer zu überreden sein dürften, eine Alternative auch nur in Betracht zu ziehen. Dazu ist Expression Design 1.0 noch zu rudimentär und bietet eine für verwöhnte Grafikprofis zu wenig intuitive Benutzerführung. Überdies fehlen (lebens-) wichtige Funktionen, wie ein direkter Import und Export von EPS-Dateien. Importiert werden können unter anderem Adobe-Illustrator- und -Photoshop-Dateien, bei den Export-Formaten fallen vor allem XAML und PDF
auf, wobei XAML-Dateien kurioserweise nur exportiert, nicht aber importiert werden können. Das vor allem für die Darstellung von Landkarten populäre SVG
-Format fehlt in der Liste, was aufgrund der strategischen Ausrichtung keine Überraschung ist. Expression Design ist ganz einfach das Programm für Vektorgrafiken im Rahmen einer RIA- oder WPF-Anwendung. Nicht mehr und nicht weniger.
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