Windows Live ist eine relativ neue Internet-Plattform, auf der Microsoft in den kommenden Monaten eine Vielzahl unterschiedlicher Dienste anbieten will. Damit die Plattform ein Erfolg wird, ist Microsoft nicht nur auf hohe Besucherzahlen, sondern auch auf die Mitwirkung möglichst vieler Entwickler angewiesen. Die klassische Formel, nach der eine neue Plattform sich dann erfolgreich behaupten kann, wenn es genügend attraktive Anwendungen gibt, soll bei Windows Live erneut zum Erfolg führen. Bei Windows Live stellt Microsoft nicht nur die komplette Infrastruktur, sondern auch die Dienste zur Verfügung. Genau wie Amazon, E-Bay, Google oder Salesforce.com
APIs (Application Programming Interfaces) in Gestalt von Webservices anbieten, mit deren Hilfe Entwickler die Grundfunktionalität der Plattform für Erweiterungen benutzen können, plant auch Microsoft derartige APIs – etwa für die Windows Live Expo-Marktplatz-Plattform. Den Anfang macht das Windows Live SDK, mit dessen Hilfe sich so genannte Gadgets entwickeln lassen.
Funktionalität mit Gadgets
Ein Gadget – auch «Mashup» genannt – ist ein Baustein, der die Daten eines RSS
-Feeds kapselt und diese um eine grafische Repräsentation erweitert, damit ihn ein Anwender auf seiner Windows Live-Startseite platzieren kann, um sich auf diese Weise sein persönliches Informationsportal einzurichten. Gadgets sind keine kompletten Anwendungen, sondern lediglich «Informationsfeeds» und stellen einen kleinen, oft interaktiven Bereich einer Seite dar. Mit ASP
.NET oder der neuen Atlas-Technik haben Gadgets aber nichts zu tun. Gadgets werden mit Hilfe des im Juni freigegebenen Windows Live-SDKs entwickelt (Download unter http://msdn.microsoft.com/live). Das SDK besteht lediglich aus einer in Javascript entwickelten Client-Library (der API), die eine Reihe von Objekten zur Verfügung stellt, einer Dokumentation, sowie einem Satz einfacher Beispiele. Die Entwicklung eines Gadgets geschieht mit Visual Studio 2005, dem kostenlosen Visual Web Developer (VWD) oder einem simplen Texteditor. Unter http://microsoftgadgets.com/livesdk/docs/projtemplate.htm gibt es eine Vorlage in Gestalt der Datei Gadgets.zip, die lediglich in das zuständige Visual Studio-Vorlagenverzeichnis (z.B. %userprofile%igene Dateien\Visual Studio 2005\Templates\ProjectTemplates\Visual Web Developer\VisualBasic für VWD) kopiert werden muss.
Es gibt drei «Orte», an denen ein Gadget in Aktion treten kann: Auf der Windows-Live-Startseite, auf dem Windows Vista-Desktop im Rahmen der Sidebar, und, das dürfte am Anfang noch eine exotische Ausnahme sein, auf dem externen Display, von Microsoft Sideshow genannt, der nächsten Notebook-Generation. In der Gadget Gallery unter http://microsoftgadgets.com stehen bereits Hunderte von Live-Gadgets zur Verfügung. Die Auswahl reicht vom typischen Nachrichtenticker, über interaktive Karten, Wettermelder bis hin zu mehr oder weniger ausgefallenen Spielen. Der Phantasie der Entwickler sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was in Javascript und XHTML
möglich ist.
Anatomie eines Gadgets
Ein Gadget-Projekt besteht am Anfang aus lediglich drei Dateien: Der XML
-Datei im RSS 2.0-Format, die das Gadget beschreibt und unter anderem einen Verweis auf die Javascript-Datei enthält, der Javascript-Datei, in der die Funktionalität des Gadgets definiert wird und einer (optionalen) CSS-Datei, die am Anfang noch leer ist, und die später die Formatvorlagen für die optische Repräsentation des Gadget enthält. Das Windows Live Gadget FAQ
gibt einen guten Überblick, der durch die kleinen Beispiele des SDKs ergänzt wird. Zwar können Gadgets lokal gehalten werden (in diesem Fall wird http://localhost/ als Server-Adresse angegeben), in der Regel werden die Dateien in ein beliebiges Webverzeichnis kopiert. Getestet werden können sie auf der Webseite http://www.live.com. Das Hochladen eines Gadgets geschieht auf der Windows Live-Seite über erweiterte Optionen und der Eingabe der kompletten URL der XML-Datei in die dafür vorgesehene Textbox («Fügen Sie ein Gadget per URL hinzu»). Ein Klick auf Abonnieren lädt den Feed. Nachdem der Anwender auf Gadget installieren geklickt hat, wird es Teil der Seite und kann per Drag&Drop hin- und hergeschoben werden. Gadgets laufen in einem IFrame, so dass sie auf diese Weise vom Rest der Seite isoliert werden.
| Seite 1 von 2 | Nächste Seite » |